Amen Dali

Biographie

Zu Beginn bitte ich Allah um Vergebung für das, was nur Er über uns weiß, und darum, dass Er uns besser macht, als man über uns denkt.

Im Alter von 5 Jahren kaufte mein Vater, möge Allah ihm gnädig sein, eine Tafel, damit meine Mutter, möge Allah sie bewahren, und mein älterer Bruder mir und meinem jüngeren Bruder die arabischen Buchstaben beibringen konnten. Mein Vater, der im Arabischen Analphabet war, legte großen Wert darauf, dass wir Arabisch lesen und schreiben können. Zu Hause sprachen wir Arabisch mit tunesischen Dialekt, was es mir ermöglichte, einen umfangreichen Wortschatz aufzubauen.

Jeden Samstag nahm uns mein Vater zur Jalsah – einer Sitzung in der Milli Görus Moschee in Mannheim – mit. Sheikh Dr. Mohammad Barhoum hielt dort wöchentlich einen Unterricht über den Tafsir des Korans. Zu dieser Zeit gab es noch keine arabische Moschee in Ludwigshafen und Mannheim, Möge Allah unsere türkischen Geschwister für ihre gastfreundliche Aufnahme reichlich belohnen. Unter den bedeutenden Personen dort war Hajj Assaf, wie wir ihn nannten, möge Allah mit ihm gnädig sein. Wir sollten jede Woche einige Ayat auswendig lernen, um sie in der folgenden Woche vorzutragen, und diese wurden dann erläutert. Über mehr als 10 Jahre durfte ich diese wöchentlichen Vorträge besuchen, bis zu meinem Abitur. Sheikh Dr. Mohammad Barhoum war zudem unser Nachbar in Ludwigshafen, und so fuhren wir jede Woche zusammen mit ihm und seinen Kindern zur Jalsah.

Wir besuchten uns regelmäßig, was eine enge Beziehung zu meinem Shaikh ermöglichte. Seine Kinder waren meine Freunde und sind es noch heute, möge Allah sie bewahren. Neben dem Unterricht jeden Samstag hatten wir auch jeden Sonntag Kinderunterricht in derselben Milli Görus Moschee. Sie ermöglichten uns die Gründung einer arabischen Schule. Initiator war Abdulmunim, mein erster Arabischlehrer in einer Schule. Danach, als ich 8 Jahre alt war, kam Sheikh Ahed Sa’d zu uns, der uns die Rezitationsregeln des Korans beibrachte.

Später kam Hasan Tunsi, ein Absolvent der Zaytouna Universität in Tunesien, nach Deutschland. Er unterrichtete uns sowohl samstags in der Jalsah als auch sonntags im malikitischen Fiqh. Nach meinem Abitur begleitete ich ihn einige Jahre lang. Jeden Freitag fuhr ich nach der Freitagspredigt in Kaiserslautern, wo ich Wirtschaftsinformatik studierte, nach Ludwigshafen, um bei ihm malikitischen Fiqh zu vertiefen. Er behandelte mit mir das Werk “al-Ma’unah fi Fiqh ‘Alim al-Madinah” des Qadi Abdulwahhab, wobei wir das 2 Bändige Buch nicht bis zum Ende durchgenommen haben. Ein weiterer Arabischlehrer in meiner Kindheit war Habib Zarrouk, der uns das Buch an-Nahwu al-Wadih unterrichtete sowie Themen über die Islamkunde. Dies geschah, als wir unsere erste arabische Moschee in Mannheim gründeten, nachdem wir mehrere Jahre bei unseren türkischen Geschwistern verbracht hatten. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwa 13 Jahre alt.

Die Gabe der Leselust für arabische Werke über den Islam war eine weitere Gnade Allahs. Besonders auf den Fahrten zur Schule und zurück verbrachte ich die Zeit mit dem Lesen von Büchern, was maßgeblich dazu beitrug, mein Arabisch zu verbessern. Mit etwa 14 Jahren begann meine Entdeckung verschiedener Strömungen. Ich las Bücher unterschiedlicher Richtungen und erlangte so einen ersten Überblick über Aqidah-Fragen. Im Alter von 17 Jahren durfte ich an einer Ausbildung für Imame in Deutschland teilnehmen, die von Prof. Dr. Hasan Hitou geleitet wurde. Er ist ein syrischer Professor für Usul al-Fiqh. Wir studierten berühmte Werke wie die Bayquniyya (Hadithwissenschaft), Ajurrumiyyah (Grammatik), Waraqat (Usul Fiqh) und Matn Abi Schuja’ (schafitischer Fiqh).

Da Prof. Dr. Hasan Hitou ein Verfechter der ascharitischen Aqidah ist, erhielt ich einen ersten Einblick in die Kalamschulen. In dieser Zeit besuchte ich auch die Seminare von Sheikh Abulhusain und Sheikh Abu Jamal. In einem dieser Seminare lernte ich Sheikh Dr. Abdulakhir Al-Ghunaimi kennen, der in Aqidahwissenschaft promovierte. Parallel zu den deutschsprachigen Seminaren von Sheikh Abulhusain und Sheikh Abu Jamal hielt er zusammen mit Sheikh Muhammad Houwait ein Seminar auf Arabisch. Dr. Abdulakhir unterrichtete uns unter anderem das Werk al-Fatwa al-Hamawiyyah von Ibn Taymiyyah sowie wissenschaftliches Arbeiten in Islamwissenschaften. Ich durfte meine ersten islamwissenschaftlichen Hausarbeiten auf Arabisch bei ihm schreiben.

Nach meinem Abitur ging ich an die TU Kaiserslautern und begann das Studium der Wirtschaftsinformatik, das ich jedoch nicht abschloss. In dieser Zeit hielt ich meine erste Freitagspredigt, begann Vorträge zu halten und engagierte mich in der muslimischen Studentengruppe. Von 2007 bis 2017 war ich Imam der Al-Faruq Moschee in Mannheim. Aufgrund der Krankheit meines Vaters konnte ich nicht mehr regelmäßig in der Moschee sein. Danach verbrachte ich ein Jahr in Stuttgart bei Sheikh Fathy Eid und übersetzte seine Freitagspredigten und Vorträge ins Deutsche. Dort hielt ich auch Vorträge auf Deutsch und besuchte regelmäßig Sheikh Muhammad Houwait, um Auszüge aus den Werken Scharh Aqidah Tahawiyyah von Ibn Abi al-Izz und Qatr an-Nada von Ibn Hischam (Grammatik) zu behandeln.

Seit Ende 2018 bin ich Imam in der Bilalmoschee Frankfurt.

Mein akademisches Studium der Islamwissenschaften begann ich am IESH de Paris und schloss es an der Islamic Open University in Ägypten mit einem Master in Tafsir und Koranwissenschaften ab. Derzeit arbeite ich an meiner Promotion in Tafsir und Koranwissenschaften an der Islamic Open University in Ägypten.

Allah hat mir die Ijazah in den Hadithwerken Sunan Abi Dawud und Sunan At-Tirmidhi von Dr. Ayman Suwaid gewährt sowie die Ijazah in Muwatta Malik und Tirmidhis Werk über Schamail von Schülern von Dr. Ayman Suwaid.

Von mir veröffentlichte Bücher sind:
1. Wie genieße ich das Gebet?
2. Sein sind die schönsten Namen, Band 1-3
3. Ulum al-Quran – Einführung in die Koranwissenschaften
4. 30 Juz – Eine Reise durch den Koran

Möge Allah uns Ikhlas beim Wissenserwerb bescheren, uns zur Wahrheit lenken und uns vor der Unwahrheit bewahren.